UltraChris der 100 Meiler

UltraChris allein unterwegs - Schritt für Schritt  (27.02.10 14:50)

 
Einsam lief er seine Runden, 8,1 km zum Wendepunkt an der Hütte am Höftdeich und wieder zurück durch die Truper Blänken, insg. 16,2 km, die 10 mal zu durchlaufen waren. Gestartet war er zusammen mit vier anderen am Freitag Abend um 20 Uhr. Die Nacht mit Regen und Sturm war schwer, alle anderen hatten aufgegeben. Dass er hier in Lilienthal lief, war eher ein Zufall. Eigentlich wollte er in Lybien sein, am Lybian Challenge, einem 190 km Wüstenlauf durch das Akakus-Gebirge im Südwesten Lybiens, teilnehmen. Dafür hatte er hart traininert. Auf dem Laufband mit 2 Winterjacken übereinander, um sich an die Hitze zu gewöhnen. Gaddafi hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht: allen EU-Bürgern wurde wegen eines Konfliktes mit der Schweiz plötzlich die Einreise untersagt. Der Lauf wurde abgesagt.

Christian Solovitz schreibt seine Zeit bei km 153,9 km in die Liste (27.02.10 15:21)

Am Samstag 15:21 Uhr schrieb Christian Solovitz (44) aus dem Burgenland in Österreich, seine Zeit für 153,9 km in die Liste ein. Klar, merkte er da was. Aber er konnte noch lächeln – und Fragen beantworten. Wie macht man das? „Schritt für Schritt!“ Seit wann läufst du und wie hast du angefangen? „Mit 30 (vor 14 Jahren) saß ich mit einem Freund bei Malboro und 1 Liter Wein oder mehr zusammen, wir beschlossen mit dem Laufen anzufangen, um nicht weiter abzubauen. Nach den ersten 500 m war ich reif fürs Sauerstoffzelt. Aber ich blieb dabei und bald war es mir möglich, zehn Kilometer ohne Pause zu laufen. So ging es weiter.“ Nimmst du Kraftnahrung oder ähnliches während des Laufs zu dir? „Die Kohlehydrate muss man auffüllen, sonst kommt der Hungerast, dann geht nichts mehr, das ist so als wenn man das Licht ausschaltet.“ Überhaupt zur Ernährung: Er würde wenig Fleisch essen (alle 2 Wochen mal) hält sich daran „wie sich die Großeltern nach dem Krieg ernährt haben – mit Kartoffeln usw – die sind bis ins hohe Alter leistungsfähig geblieben.“ Hält der Körper das aus?„ Der Körper hält viel mehr aus als der Kopf denkt.“ Zu Marathons, wo er 60 Euro für die Teilnahme bezahlen müsste, würde er gar nicht hingehen, das wäre viel zu kommerziell. Was sind das für Leute, die diese Ultras laufen? „Junkies. Manche kommen vom Alkohol oder Rauchen, die brauchen eine neue Sucht.“

Kann nach 150 km  noch lachen: Christian Solovitz am Wümmedeich (27.02.10 15:00)

Nach 20:44:39 Stunden hat er die 100 Meilen geschafft. „Ich spüre schon einen ‚Schaumkracher‘ auf der Zunge “ meint er, bevor er sich auf die lezten 6,2 km macht, ein kleines Bier. Ein sympathischer Typ, der UltraChris, einer von der Sorte, mit denen man in der Berghütte sitzen und stundenlang erzählen kann. Wer Lust hat, kann einige interessante Geschichten, z.B „Wie es begann!“ und Laufberichte auf seiner Homepage nachlesen: www.ultrachri.uboot.com
Dort schreibt er: „Wer weiß wo die Grenze liegt, und was noch kommt. Heute glaube ich, manche müssen verrückt sein um normal zu bleiben.“ (Matthias Lindner, 28.02.2010) Bilder zum Vergrößern anklicken!„ “

Eine Antwort zu “UltraChris der 100 Meiler”

  1. Christian Stolovitz sagt:

    Servus Matthias, nach etlichen – durch das Unwetter – entfallenen Fahrten, hat mich die Bahn dann doch noch nach Hause gebracht. Danke für die sehr gute Wiedergabe unserer Unterhaltung. Schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten. Aber so ist das Leben, meist ist uns am Ende die Zeit zu kurz. Es hat mir bei Euch sehr gut gefallen, und ich hoffe dass es mir gelingt wieder einmal vorbei zu schauen. Natürlich würde ich mich sehr freuen wenn Du mir das ein oder andere Deiner tollen Fotos mailen würdest. Ah ja, noch eines – erlaubst Du es mir Deinen Bericht auf meine Page zu bringen? Danke für alles
    Liebe Grüsse aus Österreich – Christian Stolovitz