Die Sieger

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„Dawei, Dawei““ rief der russische Soldat in brauner Wolluniform, als wir beim Checkpoint Charlie (km 18,5) vorbeikamen. Da waren die ersten von uns schon im Ziel und die kenianschen Profiläufer, die hier schon vor gut 1 Stde. durchliefen, vermutlich fertig geduscht. Auf den letzten 3 km wurde es ruhiger unter den Läufern, das Feld war nicht mehr ganz so dicht gedrängt wie am Anfang. Km 18,5 ist so ein Punkt, wo man etwas in den Beinen merkt und die km-Schilder herbeisehnt. Man sah einige abschnittweise gehen, auch mit Flaschengurten behangene. Wie gut es doch war, die langen, geraden Straßenabschnitte, genau wie sie sich hier in Berlin darstellen, ausreichend trainiert zu haben.

Am Start war es voll. Die Kleiderbeutel konnte man bei den weißen Schenker-Anhängern zur Aufbewahrung abgeben. Die Schlangen vor den Toilettenhäuschen waren trotz nahendem Start noch bedenklich lang. Das Wetter war perfekt: Sonne, blauer Himmel mit weißen Wolken. Zwar noch frisch, aber man spürte, das es warm wird. Also schnell noch die Hose auf „kurz“ gewechselt, was sich als total richtig erwies.

Die Skater rollten sich bereits ein, alle in hautengen, feschen Trikots. Würde ich gern mal an der Strecke beobachten.

Block E ist weit hinten, ein Sammelbecken der Freitzeitläufer in der Klasse von 6-7 Min/km. Adidas hatte viele gelbe Beutel zum Schutz gegen Kälte ausgegeben. Nach rund 7 Min. (das ist die Differenz zwischen Brutto- u. Netto-Zeit) kommt der Block-E-Läufer über die sirrende Startmatte, dann setzt sich der Troß langsam in Bewegung. Gleich zu Anfang geht’s durchs Brandenburger Tor, dann die lange, schnurgerade Straße des 17. Juni entlang, halb um die Siegessäule, später rechts ab Richtung Charlottenburger Schloß. Die dichtgedrängten Läuferreihen machen das Überholen schwierig und anstrengend wegen der dauernden Tempowechsel. Bei km 10 liegt eine weitere Kontrollmatte. Fast die Hälfte ist geschafft, die erreichbare Endzeit lässt sich nun abschätzen. Den Kurfürstendamm hinunter läuft es gut, es waren hier mehr Läufer als sonst unterwegs. In Erwartung des blauen TSV-Banners und anfeuernder „Hot-Hot-Hot“-Rufe bin ich strikt rechts gelaufen, aber die Fan-Gruppe stand diesmal woanders.

Gespräche ergaben sich diesmal wenig. Zurufe wenn man jemand aus der heimischen Nähe kam. Es gab interessante, teils attraktive Profile zu sehen. Man konnte sich an der grünen (Ideal-) Linie orientieren.

Auf den letzten 500 m der Zielgeraden gibt man nochmal alles, auch wenn die Beine nicht mehr so recht wollen. Die dicht gedrängt stehenden Zuschauer, die laute Musik, das ganze TamTam lassen ein Kribbeln aufkommen. Man ist froh, es geschafft zu haben, drückt auf die Uhr.

Danach, wenn die ersten schon Ihre Handys rausziehen, um erfolgreichen Lauf zu melden und Bilder zu versenden, bekommt man die Medaille umgehängt, diesmal die Quadriga vom Brandenburger Tor an schwarz/rot/goldener Kordel. Es gibt reichlich Bananenhälften, Berliner Leitungswasser und Tee. Viele drängt es zu den Ständen mit „echter“ Läufernahrung: Bier, Bratwurst und Pommes. Das darf mal sein, nach soviel Anstrengung. Die Siegerehrung läuft auf der Bühne nebenan ab, die Wunderläufer aus Kenia will man aus der Nähe betrachten. Lange, schmale Kerle, nur Haut, Sehnen und Knochen.

[inspic=122,left,fullscreen,240]Sieger wurde Paul Kosgei (27) in 59:07 Min., zweiter Evans Cheruiyot in 59:29 Min. Bei den Frauen siegte die Kenianerin Edith Masai (38) in 67:16 Min., vor der US-Amerikanerin Deena Kastor (67:34 Min. – in roter Jacke).

Der in diesem Jahr aufgestellte (noch unbestätigte) HM-Weltrekord von Haile Gebreselasie aus Äthiopien liegt bei 58:55 Min.

Die wahren Sieger sind eigentlich wir! Sie heißen Annemarie, Heide, Inge, Marcus, Harry usw.. Sie haben den Winter über durchtrainiert und sind allesamt gut durchgekommen. Familie Quickert war wiederum mit 3 Generationen vertreten, als reine Frauen-Formation (Mutter, Tochter, Enkelin).

Es waren 13.492 Läufer/innen im Ziel, davon 9683 Männer und 3809 Frauen. Darauf bezieht sich die „Platz“-Angabe.

 

—-StNr. Name, Vorname—– AK—– Platz—(AK)— Zeit/nto.—- Pl.—-
4946 Böhnke, Torsten M45 1232 (191) 1:36:58 1. M
F2962 Böschen, Inge W55 3019 (103) 2:25:16 3. F
F1727 Bollmann, Heide W60 3356 (29) 2:32:17 5. F
F1301 Finke, Renate W50 3367 (242) 2:32:30 6. F
4558 Klimitz, Winfried M55 1569 (45) 1:39:22 2. M
5044 Kück, Harry M45 5538 (874) 1:58:31 3. M
F1005 Langkusch, Angelika W45 216 (23) 1:46:20 1. F
7141 Langkusch, Rolf M45 9579 (1508) 2:45:48 7. M
F1705 Laudan, Gabriele W45 400 (42) 1:51:42 2. F
3179 Lindner, Matthias M60 8051 (228) 2:13:26 5. M
F2312 Lühmann, Inge W65 3366 (19) 2:32:30 6. F
F2419 Quickert, Annemarie W65 3578 (21) 2:41:48 7. F
3561 Schersell, Jan-Christ. MH 9353 (1160) 2:31:48 6. M
F1699 Schwietz, Waltraut W45 3018 (437) 2:25:16 3. F
F1700 Schwietz, Jennifer WH 3341 (554) 2:31:50 4. F
10043 Vagt, Marcus M30 5759 (693) 1:59:26 4. M

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